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Wecken auf der Alex

Nach langjährigen wissenschaftlichen Forschungen des Instituts:

„Wecken lernen auf Segelschiffen“ e.V.


ist nun endlich das Geheimnis des perfekten Weckens gelüftet worden. Jahrelange Studien in der Bibliothek des Schifffahrtsmuseums Bremerhaven und in der des Doms zu Verden wurden durchgeführt. Hier wurden u.a. die Originale der handschriftlichen Aufzeichnungen von Fokko Meyerdierks (hingerichtet 1401) eingesehen – persönlicher Gefechtsbackschafter von Klaus Störtebecker. Auch die Ergebnisse von teilweise nicht ungefährlichen Selbstversuchen durch aufopferungswillige Freiwillige während der Werftzeiten bei MWB haben diesen entscheidenden Fortschritt ermöglicht. Wie so oft in der Wissenschaft hat sich auch hier wieder bestätigt: Das Geniale ist einfach – ein kurzer 5-Punkte-Plan reicht aus, um Wecker wie Geweckte stets glücklich zu stellen, pünktliche Wachablösungen zu gewährleisten und um zufriedene Toppsmatrosen zu haben. Mit einem Satz: Die Zukunft des Segelsportes konnte gerettet werden.

Also los geht´s – Blitzmerker bitte mitschreiben:

1. Der Steuermann oder Toppsmatrose der Wache fertigt auf dem Vordruck eines Kammerbelegungsplanes einen Weckplan an. Dieser enthält nur die Namen der von seiner Wache im Normalfall zu weckenden Leute und deren Kojennummern – also die Freiwache, bzw. die Tagelöhner bei der 4/8 Wache. Dieser Plan kommt in eine Plastikhülle und wird vom Toppsmatrosen jeweils demjenigen mitgegeben, den er zum Wecken schickt. Mit solch einem Plan ist es möglich beim Wecken von vorn nach hinten durchzugehen, ohne unnütze Wege zurücklegen zu müssen und dabei niemanden zu vergessen.

2. Der „Wecker vom Dienst“, im folgenden WvD genannt, bewaffnet sich mit diesem Weckplan und einer Taschenlampe und beginnt die Erledigung seiner verantwortungsvollen Aufgabe. Beginnend im Vorschiff geht er von vorn nach hinten durch. Anhand des Weckplans und dem Kojenbelegungsschema, dass außen an der Kammertür angebracht ist, überzeugt er sich, bevor er eine Kammer betritt, wo sich die Koje, in der geweckt werden soll, befindet.

Kleiner Tipp: Die Kojen mit ungeraden Nummern sind immer Oberkojen.

Dieser kleine Vorgang des Mitdenkens erspart es mitunter sieben anderen Personen in dieser Kammer, unnötig durch einen Taschenlampenstrahl geweckt zu werden. Anschließend wird die Taschenlampe angeschaltet und so in die Hand genommen, dass die Finger in den Lichtstrahl greifen. Die Kammertür wird leise geöffnet.

3. Der Weckvorgang selbst: Der Vorhang der betreffenden Koje wird leise zurückgezogen – und jetzt kommt´s: In den Oberkojen wird die Decke angestrahlt, in Unterkojen leuchtet sich der WvD selbst ins Gesicht. Es ist sehr unangenehm, wenn einem beim Aufwachen direkt ins Gesicht geleuchtet wird. Der Schläfer wird leise mit seinem Vornamen angesprochen. Wenn er reagiert, werden ihm im Flüsterton folgende Informationen mitgeteilt: 1. Die Uhrzeit, 2. Der Weckgrund, wenn es nicht die Wachablösung ist, 3. Wetterinformationen wegen der passenden Wachkleidung 4. Andere Infos wie z.B. „Land in Sicht“ oder was es zum Frühstück gibt o.ä. Dabei kann man den Schläfer beobachten und feststellen ob er wirklich wach geworden ist. Normalerweise sollte man jemandem beim Wecken nicht ins Gesicht leuchten, anfassen oder ihn zwingen seine Kojenbeleuchtung anzuschalten, solange er von selbst wach wird und pünktlich ablöst. Bei notorischen Schweraufstehern müssen außer Anflüstern bei Bedarf natürlich die nächst wirksameren Methoden angewandt werden.

4. Nachdem der WvD auf diese Art und Weise den Weckplan ausgeführt hat, begibt er sich in die Messe und setzt frischen Kaffee und / oder frischen Tee auf. Sämtlicher alter Kaffee / Tee aus irgendwelchen Kannen wird weggeschüttet. Nichts ist nach dem Aufstehen widerlicher, als wenn man sich auf einen Kaffee oder Tee freut und der erste Schluck eine vier Stunden alte, lauwarme Brühe ist. Nachdem diese Arbeit getan ist dürften etwa 10 Minuten seit dem ersten Wecken verstrichen sein. Der Weckplan wird jetzt noch einmal von vorn nach hinten durchgegangen. Wer immer noch tief und fest schläft kann jetzt natürlich schon mal angeleuchtet werden. Mit der zunehmenden Reisedauer lernt man ja seine Pappenheimer kennen und kann von Anfang an entsprechend vorgehen. Aber meistens liegt das Verschlafen am falschen Wecken – „oh, vergessen, tut mir leid“ – als an zu festem Schlaf.

Übrigens – früher gab es auf der „Alex“ mal die schöne Sitte, dass nur Mädchen zum Wecken geschickt wurden. Die können das nämlich besser. Aber dieser Brauch ist leider in Vergessenheit geraten und man kann wohl nicht mehr auf ihn bestehen.

5. Zum Abschluss noch ein Tipp für Steuerleute und Toppsmatrosen: Es gehört sich eigentlich, dass die wegziehende Wache Pantry und Messe perfekt übergibt. Damit ist gemeint, dass keine dreckigen Kaffeetassen oder sonstiges Geschirr noch herumstehen wenn die neue Wache aufsteht. Die neuen Leute sollen sich nicht erst eine Mug abwaschen müssen, wenn sie Kaffeetrinken wollen. Also rechtzeitig zwei Mann einteilen, die alles auf Vordermann bringen.

Diese wissenschaftliche Arbeit hat im Wettbewerb „Jugend forscht für Olympia“ in Travemünde / Strand eine Nominierung erhalten und soll in naher Zukunft mit detaillierten Zeichnungen versehen werden.

Gute Wach – Euer A.